Lohnt es sich für uns, den Blick auf die gamescom zu riskieren? Nicht, um irgendwelche Spiele auszuprobieren, sondern um zu schauen, welche Trends in Köln sichtbar werden, die vielleicht auch uns betreffen? Ich finde es lohnt sich! Und das sogar für jemanden wie mich, der lieber draußen spielt, und deshalb allerhöchstens zu später Stunde auf irgendwelchen Parties mit einer PlayStation zu tun hatte.

Letztes Jahr 275.000 Besucher, dieses Jahr voraussichtlich mehr
Erstens, weil die gamescom irgendwas richtig macht. 20 Prozent Wachstum seit der Gründung in 2009, dieses Jahr zum ersten Mal die 600-Aussteller-Marke geknackt, letztes Jahr über 275.000 Besucher, dieses Jahr war die Nachfrage sogar noch stärker. Was treibt die Besucher? Vor allem das Interesse an neuen Spielen, bzw. neuen Versionen. Und auf der Messe gibt es weit über 300 Premieren – viele davon sogar Weltpremieren. Ich werte das als weiteren Beleg für Consumerization – und als hohes Interesse der Verbraucher an technischen Informationen.
1A Berichterstattung von der gamescom
Wie kann ich den Durchschnitts-Gamer mit dem Durchschnittsverbraucher gleich setzen? Das geht problemlos. Auf der Wirtschaftspressekonferenz zur gamescom hieß es, Gaming durchziehe die komplette Gesellschaft. Alter, Bildung, Einkommen, Haushaltsgröße – alles sei gleichwertig vertreten unter den 25 Millionen regelmäßigen Gamern in Deutschland. Ich dachte natürlich gleich: und was ist mit Frauen? Die auch. 44% sind weiblich.
Auch eine Bestätigung des Trends BYOD konnte ich auf der gamescom finden: Immer mehr Spiele-Anbieter sind breit aufgestellt, d.h. sie bringen ihre Spiele für das komplette Hardware-Szenario heraus: Rechner, Konsole, Smartphone etc. Natürlich gibt es immer mehr Spiele für Smartphones – eine nachvollziehbare Entwicklung, wenn man an ihre zunehmende Verbreitung denkt.
Aus der Ferne betrachtet finde ich keine bahnbrechenden Innovationen. Klar, die grafische Qualität wird immer besser. Darüber hinaus scheint mir eher die Phantasie, die Liebe zum Detail, die Erstellung komplexer Parallelwelten den Erfolg der Spiele auszumachen. Da sehe ich keine Parallele zu FI-TS. Wir haben schon in dieser Welt ganz gut zu tun.
Abschließend, nehme ich mir noch mal die wirtschaftlicher Perspektive ein und schaue auf die Games-Branche. Da gibt es ein Problem: Ob beim Kauf von Konsolen, den Mitgliedern von WoW oder bei den Facebook-Spielen: die Zahlen sind rückläufig. Zudem nimmt die Bereitschaft, Spiele zu kaufen, ab. Der Trend sind hingegen kostenlose Videospiele. Das ist eine vitale Herausforderung für die Spiele-Hersteller: Wie wollen sie künftig Geld verdienen? Eine Lösung: Für Extras zahlen Kunden unter Umständen freiwillig, wenn der generelle Zugang kostenlos ist. Es ist aber nicht so, dass Free-to-Play ohne kostenpflichtige Extras eine schlechtere Qualität hätten als verkaufte Spiele. Das können sich die Hersteller nicht leisten, denn gerade ein Spiel, das nichts kostet, lässt sich völlig schmerzlos beenden – und Alternativen gibt es genug. Ich bin gespannt, was sich in dieser Richtung tut, und ob es sich auch auf andere Inhalte übertragen lässt.




