Selbstversuch: Besuch auf der Nerd Nite München

Quelle: von avatar-1 unter http://www.flickr.com/photos/avatar-1/

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Da ich seit geraumer Zeit in der IT-Branche arbeite, fühle ich mich manchmal schon selbst etwas „nerdy“. Darum hielt ich es für einen gute Idee, die Nerd Nite in München zu besuchen. Wenn ich  die Vorträge gut fände, hätte sich meine Selbst-Diagnose bestätigt.

Gespannt, was mich wohl für Koryphäen von morgen erwarten und angestachelt von dem wirklich netten  Artikel von Jan Heiermann vom BR Zündfunk, betrat ich also die Hallen des Neuraums.  Die Location überzeugte mich und der Andrang auch. Ca. 230 Menschen (habe ich in der Pause nachgezählt) saßen bereits erwartungsfroh in den Reihen und 1/4 davon waren Frauen. Vielleicht weibliche Nerds?

Das Konzept der Veranstaltung ist folgendes: Drei Nerds halten einen viertelstündigen Vortrag zu einem selbstgewählten Thema. Das kann sich aus ihrem Studium, Arbeit oder Hobby ergeben.
Patrick Gruban ist der Macher dieser  Veranstaltungsreihe. Die Idee stammt aus den USA. In New York finden seit 2006 regelmäßig Nerd Nites mit dem Motto “It’s like Discovery Channel with beer” statt. In seiner Begrüßungsansprache empfahl er ordentlich Bier zu trinken, dann würden auch die Vorträge besser werden. Ich musste lachen und fühlte mich gleich ein wenig assimiliert. Seit Juni 2009 versammelt sich auch in München regelmäßig eine Fangemeinde.

Nun wäre es total unpassend in undiplomatischer Weise über diese vortragenden Nerds zu sprechen. Nur weil ich keinen Zugang habe.  Darum behaupte ich mal, dass ich diesen Abend total cool fand.

Im ersten Vortrag ging es um das Üben an der Posaune. Ich mag Vorträge, bei denen ich nicht weiß, wann der Redner zum Punkt kommt, oder sich am Ende herausstellt, dass es gar keinen Punkt gab! Ich habe viele, viele Notenblätter gesehen, es wurden mir viele Namen vorgestellt, von denen ich und das restliche Publikum, noch nie etwas gehört haben. Der Sprecher war wirklich sympathisch (ehrlich), aber mein Interesse am Thema konnte er wahrlich nicht wecken.

In der Pause habe ich mir das Publikum näher angeschaut: Fettiges, schuppiges  Haar finde ich in unseren fast diktatorisch, äußerlichen Gesellschaft schon fast rebellisch.
Diesen Handyhalter an der Hose mit interessant-hohem Bund habe ich auch schon fast verdrängt. Hier hat er immer noch seinen festen Platz. Er ist auch ungemein praktisch. Wenn ich daran denke, wie oft der Anrufer auflegt, bevor ich mein Handy in der Handtasche finde, muss ich mich fragen, was eigentlich bei mir falsch läuft.

„Computers are a girls best Friend“ heißt der 2. Vortrag und beschäftigt sich mit dem Thema, warum der Anteil an Frauen in der IT so klein ist. Die Rednerin gestaltet den Vortrag interessant und lockert ihn gekonnt mit Ironie auf. Gar nicht nerdy. Ich hatte an der Uni auch 2 Semester Wirtschaftsinformatik, mich haben dabei weder das Image noch der Glaube, dass Informatik zu schwer für mich sei, abgeschreckt. Ich fand einfach andere Fächer interessanter und habe darum dieses Fach nicht weiter vertieft.

Warum ist die Chaostheorie für die Komplexität von Kalendern verantwortlich? So die Frage, die im letzten Vortrag beantwortet werden sollte. Nachdem etwas langatmig der gregorianische, der jüdische, der islamische, der discordianische Kalender und Symmetry 454 erklärt wurden, wurde ein Partyspiel versprochen. Nachdem sich das aber doch sehr deutlich hinzog, habe ich mich entschlossen, den Saal zu verlassen. Schließlich ist der nächste Tag ein Arbeitstag und wie heißt es doch gleich: „Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist“!

Nun ist es an Ihnen, die Nerd Nite auszuprobieren. Ist doch mal was anderes und sicher eine Erfahrung wert.

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