Das NSA Utah Data Center: Wie groß ist ein Yottabyte?

Die NSA baut ein Data Center in Bluffdale, Utah, das im September 2013 fertiggestellt sein soll. Bei Spiegel Online heißt es, dass es 1 Yottabyte an Speicherkapazität bereitsstellen wird, das entspricht 140 Terabyte pro Person weltweit.
140 Terabyte reichen aus für zum Beispiel: 150 Milliarden Textseiten (ca. 1–2 kB: eine Buchseite als Text oder 52 Jahre am Stück Telefonate (5,3 Megabyte pro Minute in gängigen Audio-Formaten oder 6,5 Jahre hochauflösendes Videomaterial (eine Stunde benötigt etwa 2,5 GB). Das ist eine beeindruckende Zahl bei 7,1 Milliarden Menschen weltweit. Seit knapp zwei Jahren bin ich nun schon für die digitale Langzeitarchivierung an der ZBW zuständig und habe noch nie davon gehört, dass irgendjemanden auch nur annähernd mit so großen Zahlen arbeitet. Das bisher größte mir bekannte digitale Langzeitarchiv, das Internet Archive, hatte im Oktober 2012 die 10-Petabyte-Marke erreicht – und dafür hat es immerhin 16 Jahre und ein Budget von etwa 10 Millionen Dollar im Jahr gebraucht. 10 Petabytes sind 10.000 Terabytes – 1 Yottabyte aber sind eine Billionen Terabytes, das ist eine Zahl mit zwölf Nullen: 1 000 000 000 000 Terabytes.

Wo aber bekommen das Utah Data Center die Hardware her? Laut dem Blog eines Spezialisten für Storage und Storagekosten wird weltweit pro Jahr lediglich Hardware für 600 Exabytes Speicherkapazität hergestellt. Das Datenzetrum müsste also bei der jetzigen Produktionsstärke 1700 Jahre warten, bis die benötigten Datenträger vollständig geliefert werden können – und das ginge auch nur dann so schnell, wenn sie die einzige Kundin wären.

Bedenkt man, dass ein leistungsstarker Internetknoten etwa 200 GB/Sekunde übertragen kann, würde alleine das erstmalige Vollschreiben eines Yottabytes außerdem 150 Jahre dauern. Außerdem heißt es, dass das Utah Data Center pro Minute 65 Megawatt Strom und 4500 Liter Kühlwasser benötigen wird. Bei etwa 9 Cents pro Kilowattstunde im Bundesstaat Utah sind das rund 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Baukosten für den Gesamtkomplex sind bei „nur“ 1,5 Milliarden Dollar vergleichsweise winzig.

Mit 65 Megawatt Strom pro Minute kommt man außerdem bei einem Yottabyte gar nicht aus, hier wären zur Kühlung und Lüftung 6 Terawatt Strom notwendig. Das würde bedeuten, dass man um das Utah Data Center noch 100 Kernkraftwerke bauen müsste, die alle exlusiv die Einrichtung versorgen.

Utah Data Center

Nicht nur die Kommentare bei Spiegel-Online äußerten sich hier daher schon skeptisch, auch in der us-amerikanischen Blogosphäre glaubt man eher nicht an Yottabytes. Geht man davon aus, dass der veranschlagte Stormverbrauch der Wahrheit entspricht, sind eher weniger als 10 Exabytes realistisch, was dann nur noch 1,4 GB pro Person auf der Welt entspricht. Aber auch 10 Exabytes wären eine beeindruckende Menge für ein einziges Datenzentrum. Um die gerade mal 25 Petabytes im Jahr Daten zu analysieren, die im Cern erzeugt werden, sind weltweit immerhin 140 Institutionen beteiligt. 10 Exabytes sind 400x so viele Daten und diese sollen an einem einzigen Ort gespeichert und verwaltet werden. Aus meiner Sicht bleibt es daher abzuwarten, wie groß das Utah Data Center tatsächlich werden wird und wie beeindruckend die realen Zahlen sein werden.

Autorin: Yvonne Friese (auf Twitter folgen:@YvonneFriese)
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1 Kommentar

Martin

Hallo Yvonne,

ich bin mal so frei und verwende das Internet-Du. Ich bin über gutjahr.biz auf dein Posting gestoßen und freue mich über etwas weitergehende Überlegungen zum Thema. Ich wäre aber kein Korinthenkacker wenn ich nicht darauf hinweisen würde, dass die Formulierung

65 Megawatt Strom pro Minute

allgemein nur wenig Sinn macht und hier ganz besonders wenig. Ein Megawatt ist eine Einheit für die Leistung, erst mit einer Zeitbasis wird daraus Energie/Arbeit die üblicherweise als Megawattstunde oder auch MWh bezeichnet wird.

Da die benötigte Leistung vermutlich konstant ist und man bei so großen Anschlussleistungen eher mit dieser kalkuliert, kann man schon von 65 Megawatt beziehungsweise 6 Terrawatt sprechen – aber eben Leistung. Die Rechnung ist dennoch in ihrem Sinn richtig. Bei etwa 8760 Stunden pro Jahr ergibt sich ein Jahresenergiebedarf (elektrisch) von rund 570 GWh bzw. 53 PWh (etwa das Tausendfache der BRD (!)). Bei 5 USct/kWh wären es also 29 Millionen USD pro Jahr für 65 MW Dauerleistung und damit vermutlich vernachlässigbar gegenüber anderen Betriebskosten.

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