Die Zeit ist reif für eine Vielzahl von Services rund um Mobile Payment
Seit mehr als 15 Jahren gibt es nun schon Mobile Banking-Services, die auch den Zahlungsverkehr über Mobiltelefone ermöglichen. Seitdem hat sich jedoch viel verändert. 5,2 Milliarden Menschen nutzen zurzeit ein mobiles Endgerät (Smartphone, Handy, Tablet…), wobei nur 4,2 Milliarden über eine Zahnbürste verfügen. Auch Deutschland leistet in diesem Umfeld seinen Beitrag. Im Jahr 2012 erreichte die Durchdringung mit Smartphones laut Comscore mehr als 51%. Es geht uns bei diesen Zahlen weniger darum die weltweite Zahnhygiene als um den außerordentlichen Status des mobilen Endgeräts als das neue „Schweizer Offiziersmesser“ im Alltag zu unterstreichen.
Mobile Payment hat nach überzeugenden Erfolgen in Afrika und Asien, die großen Unternehmen wie Google, Visa, Apple, Mobilfunkbetreiber, Kreditkartenunternehmen, internationale Banken und Service Provider wie Paypal, YAPITAL, SQUARE oder iZettle auf den Plan gerufen. Sie überbieten sich gegenwärtig mit neuen Initiativen, Geschäftsmodellen und eingesetzten innovativen Technologien, um sich ihre Scheibe am großen Kuchen „mobiler Zahlungsverkehr“ zu sichern. Die Situation zeichnet sich durch eine große Unübersichtlichkeit aus.
Neue Services, Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten und Business-Ökosysteme sind zu entwickeln
Die Wachstumsraten mobiler Endgeräte, die überwältigende welt- und landesweite Akzeptanz des mobilen Kanals übertrifft alles vorher Bekannte. Netzwerke werden kontinuierlich ausgebaut, Abdeckungs- und Übertragungsraten steigen permanent. Die „junge Generation“ ist mit dem Mobiltelefon von Kindesbeinen an vertraut. Sie trägt das „persönliche Massenmedium“ immer bei sich, ist permanent mit Gleichgesinnten über soziale Medien verbunden. Die Nutzung eines eingebetteten Zahlungskanals liegt förmlich auf der Hand. Allerdings muss er bequem und sicher sein und den Anforderungen der Regulierung und europäischen bzw. nationalen Gesetzgebung entsprechen. Regierungen und Regulatoren müssen über geeignete Rahmenwerke für das „mobile Geld“ sorgen. Dabei steht deren Antwort auf die Frage: „Ist das mobile Geld nur ein weiterer Kanal oder ein neuer Zahlungsmechanismus?“ noch aus. In der Zwischenzeit haben sich weltweit bereits verschiedene Mobile Payment Dienste erfolgreich etabliert.

Abbildung: Einordnung Mobile Payment (Quelle: Thomas Lerner)
Beispiel: M-PESA von Safaricom (Kenia)
Afrika kommt in diesem Marktsegment mittlerweile eine gewisse Vorreiterrolle zu. Zumindest im Teilsegment „Person-to-Person-Zahlungen d.h. bei Geldübertragungen zwischen Personen)“. Im März 2007 führte Safaricom (der kenianische Ableger von Vodafone) das Zahlungssystem M-PESA ein. Mittlerweile ist der Erfolg der Anwendung Vorbild und Blaupause für viele Entwicklungsländer. Die Payment-Service-Plattform mit ihren mehr als 17 Millionen Kunden und mehr als 30.000 Händlern wächst ständig weiter. Mittlerweile arbeitet das Mobilfunkunternehmen mit Banken eng zusammen und hat sich von einem Telekommunikations-zentrierten Mobile Payment-Service-Anbieter zu einem „kollaborativen“ Mobile Banking-Anbieter weiterentwickelt. Hatten im Jahr 2007 erst 19% der Kenianer Zugang zu Bankleistungen, sind es laut Weltbank mittlerweile mehr als 60% der Bevölkerung. Aktuell sorgt der kurzfristige mobile Anlage- und Kreditservice „M-Shwari“ für Furore. Innerhalb von 3 Wochen hat er ca. 650.000 neue Kunden gewonnen. Täglich sollen mehr als 40.000 neue Nutzer hinzukommen.
Beispiel: Starbucks Wallet (Händler-Barcode-Service mit unterschiedlichen Mobile Payment–Apps)
Seit seinem Start im Jahr 2009 ist Starbucks-Wallet in mehr als 14.000 Filialen in den USA und Europa im Einsatz. Seit November 2012 akzeptiert das Unternehmen Käufe über die SQUARE Mobile Wallet App. Seitdem nutzen mehr als 7 Millionen Kunden eine der verschiedenen Apps (IOS, Android, Blackberry…). Aktuell verzeichnet der Kaffeeröster mehr als 3 Mio. Mobile Payment-Transaktionen jede Woche, d.h. mehr als 20% der Zahlungstransaktionen gehen von Smartphones aus. Kein Wunder, dass der CEO gerade weitere Investitionen und Erweiterungen der aktuellen Services angekündigt hat…
Der Zweite Teile der Mobile Payment Übersicht folgt am Dienstag, 02.04.2013
Autor:
Thomas Lerner ist externer Berater bei FI-TS und Autor mehrerer Bücher und Fachbeiträge zum Thema Mobile Payment. Im Juni 2013 führt er eine„Mobile Banking Masterclass“ in Manila durch. Weitere erfolgreiche Workshops hat er bereits für zahlreiche asiatische Banken gehalten. Darüber hinaus wurde ihm zusammen mit Thomas Geiß der UMTS-Innovationspreis verliehen.
Thomas Lerner „Mobile Payment – Technologien, Strategien, Trends und Fallstudien“, erschienen bei Springer – Vieweg, 31.12.2012