Wir steigen gerade auf virtualisierte Desktops um. Und wir sind davon so überzeugt, dass wir dieses Desktop-Service-Modell, den „Arbeitsplatz der Zukunft“ am Markte anbieten.
Deshalb freue ich mich, als ich die aktuelle Computerwoche aufschlage – genau mein Thema: „Desktop-Virtualisierung: Mainstream oder Nische?“.
Der Autor Wolfgang Sommergut, Betreiber des Portals WindowsPro, setzt sich mit den Argumenten für im wider eine virtualisierte Desktop-Umgebung auseinander. Dabei berücksichtigt er sowohl Marktprognosen, als auch die tatsächlicher Marktakzeptanz. Wesentliche Basis ist eine Umfrage, die die Analysten von Freeform Dynamics im August 2009 mit 137 Personen durchgeführt hat.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine eher verhaltene Begeisterung für das neue Modell: Rund 70 Prozent sehen die größte Hürde in den Kosten für Anschaffung und Implementierung. Etwa 70 Prozent sehen andere Prioritäten in ihrer IT-Abteilung, knapp 70 Prozent halten die Lösungen noch nicht für ausgreift. Ebenfalls knapp 70 Prozent sehen als Hürde Probleme mit der Speicherinfrastruktur, und je etwa 50 Prozent sehen keinen Bedarf oder Widerstände bei den Anwendern als Gegenargument.
Deutlich positiver die Einschätzung der Analysten von Gartner: Für 2013 prognostizieren sie für virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI) bei professionell genutzten PCs einen weltweiten Anteil von 40 Prozent – das entspricht einem Marktvolumen von 65 Mrd. USD. Sie erwarten, dass viele Unternehmen mit der Einführung von Windows 7 auch gleich auf VDI umsteigen. Dieser Wechsel steht nach Gartner in vielen Häusern innerhalb der nächsten zwei Jahre an.

Segeln bzw. Surfen bei der Arbeit? Kein Problem mit VDI
Die Einführung eines neuen Desktop-Service-Modells ist natürlich mit mehr Aufwand verbunden, als das Update eines Betriebssystems: Er bedeutet einen neuen Ansatz der System-Administration. Jetzt werden Anwendungen zentral modular bereitgestellt, statt pro Endgerät installiert zu werden. Natürlich erfordert das ein Umdenken, ich sehe darin aber nichts Verkehrtes. Zudem, wenn der andere Ansatz
Vorteile bei Bereitstellung, Absicherung und Support bringt. Diese Vorteile kommen nicht immer bei den Anwendern an, z.B. sehen die Teilnehmer der Studie von Freeform Dynamics mangelnden Bedarf als das wichtigste Argument gegen VDI. Eigentlich seltsam, denn sie profitieren direkt. Beispielsweise steht ihnen mit VDI die komplette Arbeitsumgebung auch von Home Office aus oder über Smartphones zur Verfügung. Prinzipiell sind sie sogar komplett flexibel in der Wahl des Endgerätes, mit dem sie arbeiten wollen (Bring your own PC).
Für mich ist auch der geringere Energieverbrauch durch VDI ein überzeugendes Argument: Schon allein der Umstieg von einem Desktop PC auf ein Note- oder Netbook führt zu einer Reduktion von 70 Prozent nach aktuellen Angaben der Dena, Thin Clients bringen noch weitere Einsparungen.
Ich finde, das ist das Opfer wert: Dass jeder Mitarbeiter „seinen“ Rechner am Arbeitsplatz aufgibt. Für die Unternehmen bedeutet die zentrale Bereitstellung mehr Sicherheit, schnelleren Service – ja und natürlich auch eine bessere Kontrolle. Aber ist das wirklich ein Nachteil? Administrationsrechte sind doch eher was für den privaten Computer, den Arbeitsplatz zahlt doch auch der Arbeitgeber…