Kategorie: Medien

Journalismus 2.013

Journalismus ist im digitalen Zeitalter nicht einfach. Plötzlich kann quasi jeder recherchieren und publizieren. Der Hinweis, Qualitätsjournalismus sei etwas anderes, ist in vielen Fällen völlig berechtigt. Aber er konnte die Presse bislang nicht retten.

Jetzt startet der Politikjournalist Andrew Sullivan einen interessanten Versuch, sich doch mit Qualitätsjournalismus seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Wenn ich an das Aus der Financial Times Deutschland und die Insolvenz der Frankfurter Rundschau im letzten Jahr denke, ist Sullivan mutig. Andererseits kennt er die Branche sehr gut, hat sich über 12 Jahre hinweg einen Namen erarbeitet und ein erfolgreiches Team aufgebaut. Auf diesen drei Säulen baut sein Geschäftsmodell auf. Und unter Berücksichtigung  einer alten Marketing-Weisheit:
“Wenn Du für ein Produkt nichts bezahlst, bist du selber das Produkt, für das bezahlt wird.”New Year, New Dish, New Media - ein guter Einstieg ins neue Jahr für Andrew Sullivan

New Year, New Dish, New Media – ein guter Einstieg ins neue Jahr für Andrew Sullivan

Sullivan möchte seine Leser nicht als Produkte behandeln. Stattdessen hat er die Dish Publishing LLC gegründet, um ab Februar 2013 seinen Blog “The Dish” komplett eigenständig zu betreiben. Sullivan und sein Team schreibt für Leser, nicht um Anzeigekunden zu gewinnen. Deshalb verzichtet er von Anfang an komplett auf Werbeanzeigen. Stattdessen macht er dem Leser zum Kunden und König, wenn er bereit ist zu zahlen – ansonsten bekommt er keinen oder nur einen sporadischen Zugriff auf die Inhalte. Bei der Zahlungsbereitschaft legt er die Messlatte allerdings nicht hoch an: Ab 19,99 $ können Leser das Blog ein Jahr lang nutzen – und wenn es ihnen mehr Wert ist, können sie auch gerne mehr zahlen.

Der Wert sorgsam ausgewählter und gut aufbereiteter Informationen steht - glaube ich – nicht zur Diskussion. Trotzdem lassen sich ihn die meisten Online-Publikationen in Deutschland nicht von ihren Lesern bezahlen. Fehlt ihnen dazu das Selbstbewusstsein? Oder sind sie einfach noch nicht voll in der digitalen Welt angekommen? Das Beispiel “The Dish” könnte ihnen Mut machen: Andrew Sullivan hatte sechs Stunden, nachdem er die Vorabversion der neuen Seite veröffentlicht hatte, bereits einen sechsstelligen Betrag eingenommen. Ich bin gespannt, inwiefern sich sein Blog durchsetzt.

 

E-Mails bei Abwesenheit löschen – Daimler setzt auf Work-Life-Balance

Kennen Sie das: Man kommt aus einem perfekten Urlaub bestens erholt zurück, betritt gut gelaunt sein Büro, öffnet seinen E-Mail-Account – und plötzlich ist der Urlaubseffekt weg: 3 Wochen gesammelte E-Mails warten im Postfach. Worauf noch muss im Einzelfall überprüft werden. Aber es bleibt die unangenehme Gewissheit: man startet gleich wieder mit einem Rückstand.

Die Mitarbeiter von Daimler sind dieses Problem ab 2013 los – sie haben die Möglichkeit, die E-Mails, die in ihrer Abwesenheit eingehen, automatisch löschen zu lassen. Dieses Angebot gilt für alle, bis hin zum Top-Management.
Und was ist mit dringenden E-Mails, die auf diese Weise unentdeckt beseitigt werden? Das ist kein Problem, denn wenn der Daimler-Mitarbeiter von dem Angebot Gebrauch macht, erfährt der Verfasser der E-Mail davon und erhält die E-Mailadresse eines weiteren Daimler-Mitarbeiters, an den er sich stattdessen wenden kann.

E-Mails am Strand bearbeiten? Lieber abschalten.
E-Mails am Strand bearbeiten? Lieber abschalten.

Setzt Daimler damit einen neuen Trend? Ich würde eher sagen, es reagiert auf die neuen Arbeitsbedingungen, die sich durch die technische Möglichkeit ergeben, immer und überall erreichbar zu sein. Vergleichbar mit der Maßnahme von VW vor einem Jahr, über die wir auch im Blog berichtet haben: Die Wolfsburger helfen ihren Mitarbeitern beim allabendlichen Abschalten, indem diese zwischen 18:15 Uhr abends und 07:00 Uhr morgens keine E-Mails mehr auf ihren Smartphones empfangen können – Manager allerdings ausgenommen.

Ganz offensichtlich ist die Erreichbarkeit per E-Mail 24 Stunden am Tag, 364 Tage im Jahr zwar technisch möglich, jedoch nicht nötig und letzten Endes wenig hilfreich. Schließlich gibt es ein Leben vor dem Tod. Das scheint Daimler nicht nur im Hinblick auf die Verzichtbarkeit von E-Mails zur Urlaubszeit erkannt zu haben, sondern auch generell: „Unsere Arbeitswelt sieht sich mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert: Immer mehr Beschäftigte – Frauen wie Männer – wollen sich beruflich verwirklichen und sich gleichzeitig um die Betreuung der Kinder oder Pflege der Angehörigen kümmern. Daimler hat das Ziel, diese Anforderungen im Unternehmen aktiv aufzugreifen und optimal zu gestalten.“ Wilfird Poth, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Daimler Group in einer Pressemitteilung.

Den Worten folgen bereits Taten, etwa führt das Unternehmen aktuell die Studie „Ausgeglichen! – Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben“, zusammen mit dem Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie Universität Heidelberg durch. Anfang 2013 liegen die Ergebnisse vor – passend zum entspannten Arbeitsbeginn im Hause Daimler.

Zettabyte, oder der digitale Raum, unendliche Weiten…

Wir schreiben das Jahr 2020. Über 40Prozent der digitalen Daten werden nicht mehr von Menschen, sondern von Maschinen erzeugt. Das weltweite Datenvolumen entspricht 40 Zettabyte. Wie viel das ist? Es übersteigt mein Vorstellungsvermögen. Aber  der Speicherspezialist EMC, der diese Prognosen Mitte Dezember publiziert hat, macht die Zahl durch ein Beispiel etwas greifbarer: 40 Zettabyte entsprechen der 57-fachen Zahl der Sandkörner an allen Stränden der Erde. Eine Menge Sand! (wer hat sie gezählt?)

Mengenangaben von Byte bis Yottabyte
Mengenangaben von Byte bis Yottabyte

Und wo stehen wir heute? In 2012 haben wir eine Datenmenge von  2.800.000.000.000.000.000.000  Byte  erzeugt – das sind gerade mal 2,8 Zettabyte. Als Datenproduzenten liegen die USA aktuell auf Platz eins mit 32 Prozent, der zweite Platz geht an Westeuropa mit 19 Prozent, und die Schwellenländer Indien, China und Brasilien kommen zusammen auf 36 Prozent.

Erklärungen zu der Mengenangabe Zettabyte und Einschätzung der Datenentwicklung von der Experton Group

Woher kommen all diese Daten? Und was führt zu der drastischen Zunahme innerhalb der nächsten acht Jahre? EMC hat zwei Treiber identifiziert: Einer sind die Schwellenländer, deren Anteil an der globalen Datenproduktion bis 2020 auf 60 Prozent steigen soll. Der andere Treiber ist das “Internet der Dinge”. Das heißt sämtliche vernetzten Geräte, die rund um die Uhr Daten sammeln wie Smartphones, Stromzähler, Überwachungskameras und Autos mit Navigationssystemen. Der Spiegel bezeichnet sie in einem Beitrag als “unsichtbare Datensammler”. Damit spricht er ein Problem an: Wir wissen gar nicht mehr, wo überall Daten erhoben und zu welchen Zwecken sie benutzt werden. Als Konsequenz fordert der Bundesdatenschutzbeauftragte  Peter  Schaar ”einen  Instrumentenmix  aus  gesetzlichen  Regelungen,  die  der  technischen Entwicklung  angepasst  werden  müssen,  und  aus  technologischen  Lösungen”.

Was ich noch wichtiger finde, ist die Aufklärung des Verbrauchers: wissen, was Daten erzeugt, wissen, wie Daten erhoben und manipuliert werden können. Für letzteres gibt es ein schönes aktuelles Beispiel vom Time Magazine: über 5,6 Millionen Leser wählten Kim Jong Un, das politische Oberhaupt Nordkoreas, zur Person des Jahres. Grund dafür waren nicht Sympathien der Time-Leser, sondern ein Hackerangriff. Kim Jong Un dürfte ihn nicht zu sehr gewundert haben, war er doch schon zum Sexiest Man Alive gekürt worden – allerdings stand dahinter nicht das People Magazine, sondern eine andere Publikation: The Onion - immerhin “America’s Finest News Source.  Fazit: Mit ein bisschen Hintergrundwissen lässt sich die Relevanz von Daten ganz gut einschätzen – und wer das nicht im Kopf hat, findet es oft bei Google.

 

 

Online Banking 2012 – Kampf um Troja?

Immer mehr Menschen nutzen Online-Banking. Allein in Deutschland stieg die Zahl der Nutzer von 2000 bis 2011 um 400 Prozent: konkret heißt das von 11 auf 44 Prozent der Bevölkerung. Dieser Trend belegt die Digitalisierung unseres Alltags, die Etablierung neuer Interaktionskanäle zwischen Kunde und Bank. Beide Seiten profitieren von einem Serviceangebot rund um die Uhr, Flexibilität, Schnelligkeit und Komfort.

Online Banking setzt sich immer stärker durch
Online Banking setzt sich immer stärker durch

Wenn der Bankkunde nicht mehr in die Filiale geht, sondern seine Transaktionen über das Netz abwickelt, was macht dann der Trickbetrüger? Auch er stellt seine Aktivitäten um: Phishing. Ist das ein Argument gegen Online-Banking? Nein, aber es ist ein Grund, vorsichtig zu sein: Wenn Verbraucher E-Mails von ihrer Bank erhalten mit der Aufforderung, persönliche Daten oder Bankdaten einzugeben oder einen Link zur Bestätigung von was auch immer zu klicken, lohnt sich ein Anruf bei der Bank um zu prüfen, ob die E-Mail tatsächlich von der Bank kam.

Mit dieser, doch recht einfachen Strategie, sind Verbraucher auch vor komplexen Attacken geschützt. Das letzte Beispiel: Ein kombinierter Angriff mit dem Namen “Eurograbber“, mit dem insgesamt 36 Millionen Euro von 30.000 Kunden in Europa abgebucht wurden.

Das Verfahren wurde von den Sicherheitsspezialisten Check Point und versafe untersucht und als Fallstudie publiziert.

Die Vorgehensweise der Kriminellen bestand aus der Kombination mehrerer Verfahren: Als erstes musste der PC eines Opfers mit einem Trojaner infiziert werden. In diesem Fall handelte es sich um die abgewandelte Form eines Zeus-Trojaners. Dazu setzten die Online-Bankräuber auf klassische Phishing-Mails und auf Sicherheitslücken in Komponenten wie Flash oder Java.

War der PC infiziert und der Anwender loggte sich das nächste Mal in sein Konto ein, folgte der zweite Schritt: Der Anwender sah eine Bankseite, die per Java manipuliert worden war. Auf dieser Seite wurde der Anwender anscheinend von der Bank aufgefordert, die Handynummer einzugeben, die er für das mTAN-Verfahren nutzt. War der Anwender dazu bereit, folgte Schritt drei: Er erhielt eine SMS, angeblich von seiner Bank,  mit einem Link zum Download einer Software auf dem Smartphone. Aktivierte der Anwender diesen Link war auch sein Smartphone infiziert. Die gute Nachricht für iPhone-Besitzer: Die Attacke beschränkte sich auf Blackberries und auf Smartphones mit dem Betriebssystem Android.

War ein Anwender bereit, diese drei Schritte auszuführen, hatten die Kriminellen Zugriff auf sein Konto, wenn er die nächste Transaktion am PC durchführen wollte: Seine Buchung ging nicht an den angegebenen Empfänger, sondern auf das Konto der “Bankräuber”. Und zwar in einer Höhe, die ebenfalls von den Kriminellen festgelegt wurde. Für den Anwender lief die Transaktion dabei scheinbar normal ab: Er erhielt wie gewohnt eine mTAN auf sein infiziertes Smartphone. Nicht normal war dagegen, dass der Trojaner auf dem Smartphone die mTAN automatisch an das Botnetz weiterleitete, das die Buchung bei der Bank bestätigt, und zwar von dem ebenfalls infizierten PC aus.

Einschätzung der Sicherheit von Online-Banking
Einschätzung der Sicherheit von Online-Banking

Das Vorgehen beim Eurograbber ist recht komplex und benötigt das aktive Mitwirken des Anwenders, sprich des Bankkunden. Spricht dieser Fall per se gegen Online Banking oder das mTAN-Verfahren? Nein, denn die Bankkunden sind sicher, wenn sie eine gewisse Online-Kompetenz haben. So wie man am Geldautomaten seine Hände vors Tastenfeld hält, wenn man die PIN eingibt, muss auch der heimische PC geschützt werden. Darauf kann man nur immer wieder hinweisen.

Alternative zu diesem Phishing-Verfahren: Mobile Banking. Das läuft in einer App auf dem Smartphone ab und benötigt weder PC noch Browser. Aus Sicherheitsgründen darf Mobile Banking nicht auf dem Smartphone ausgeführt werden, an das auch die mTAN per SMS gesandt wird. Eine lästige Einschränkung sagen die Einen, wer will schon zwei Handys mit sich herumtragen, ein Sicherheits-Feature die Anderen…

Social Media ist Alltag – von Kalifornien bis zum Vatikan

“Social Media entwickelt sich zur Normalität im Unternehmensalltag und hält Einzug in die Unternehmenskultur“, sagt Curt Simon Harlinghausen (AKOM360), Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW. Der Auseinandersetzung mit Social Media entgeht man nicht, sofern man Zugang zum Internet hat. Entweder, man macht mit, oder man entscheidet sich bewusst dagegen, etwa um seine Zeit und die Hoheit über seine persönlichen Daten nicht zu verlieren.

BVWD-Studie: Social Media Aktivitäten von Unternehmen
BVWD-Studie: Social Media Aktivitäten von Unternehmen

Die Entscheidung dafür liegt klar im Trend. Das belegt beispielsweise die aktuelle BVDW-Studie „Social Media in Unternehmen“. Dabei wurden insgesamt 140 werbungtreibende Unternehmen branchenübergreifend zu ihren Social Media Aktivitäten in den Jahren 2011 und 2012 befragt. Das Ergebnis: 2012 hatten 88 Prozent ein Unternehmensprofil in mindestens einem sozialen Netzwerk.

Die Bedeutung von Social Media ist so rasant gestiegen, dass auch sehr konservative Organisationen bereit sind, im Netz neue Wege zu gehen. Aktuelles Beispiel: Der Papst twittert ab dem 12. Dezember unter dem Namen ”@pontifex“. Anders als der Name vermuten lässt, allerdings nicht auf Lateinisch, sondern auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch und Spanisch.

Der Twitter-Account des Papstes
Der Twitter-Account des Papstes

Benedikt der XVI, das würdige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wird künftig regelmäßig 160 Zeichen Nachrichten von sich geben? Das kann ich mir nicht vorstellen. Sicher gibt es sehr internet-affine Silver-Surfer, aber den Papst hätte ich nicht unter ihnen vermutet.

Und tatsächlich hat er andere Interessen. Deshalb lässt der 265. Papst twittern, allerdings in enger Abstimmung.

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist der Schritt genau richtig: man muss seine Zielgruppe adressieren. Und wenn die Kanzel als Kommunikationsplattform nicht mehr ausreicht, weil sich die Gläubigen weniger in der Kirche und mehr im Internet aufhalten, lohnt sich eine Ausweitung der Kommunikationskanäle.

Und während ich persönlich Twitter ablehne, weil ich keine Lust habe, meinen Kommunikationsfluss in 160-Zeichen-Bausteine zu verpacken, mag das Format für die Vermittlung von Glaubenssätzen gut geeignet sein. Der Papst verspricht aber mehr als die Vermittlung: den Dialog. Wie wird sich dieser wohl entwickeln? Ich bin sehr gespannt darauf. Und sich selbst eine so konservative Organisation wie die römisch-katholische Kirche auf den neuen Kanal einlässt, ist das ein weiteres starktes Indiz für die Etablierung von Social Media.

Das Banking-IT-Thema 2013: Collaboration

Im November sind gleich zwei Publikationen erschienen, die sich mit aktuellen IT-Trends im Bankensektor beschäftigen. Infosys 300 Entscheidungsträger aus Banken aus insgesamt 66 Ländern zu dem Thema „Innovation in Retail Banking 2012“ befragt, und das Beratungshaus Lünendonk hat die Studie “Zukunft der Banken 2020” publiziert.

Zwei Studien, ein Ergebnis: Collaboration ist dasThema, mit dem sich Banken zur Zeit auseinandersetzen. Neue Technologien, und damit einhergehend neue Kommunikationskanäle und ein anderes Kommunikationsverhalten, bringen Banken dazu, neue Wege zu gehen.

Online-Banking war der Anfang: Kunden gehen neue Wege
Online-Banking war der Anfang: Kunden nehmen neue Wege zu ihrer Bank

Quelle: iStockphoto

Das zeigt die Auftragsstudie von Infosys durch Angaben zu der Verwendung von IT-Budgets von Banken: 26 Prozent der IT-Budgets werden aktuell in den Bereich „Online“ investiert, 20 Prozent in den Bereich „Mobile“. Zudem haben rund 75% der Banken ihr Budget für Innovationen im Vergleich zu 2010 und 2011 erhöht.

Herausforderungen und Optimierungspotenziale im Bankensektor
Herausforderungen und Optimierungspotenziale im Bankensektor

Quelle: CIO, 30.11.2012

Konkret geht es dabei um Multi-Channel-Strategien und eine Verbesserung der interaktiven Kommunikation mit Kunden. Nach der Lünendonk-Studie sehen sich sieben beim Multi-Channel-Vertrieb „noch nicht ideal aufgestellt“.

Dabei spielt SocialMedia eine wichtige Rolle, 87 Prozent der Befragten gaben an, sich auf die mit der Integration dieser Kanäle intensiv befassen zu wollen. Fast genauso wichtig ist die Nutzung neuer Kommunikationsmöglichkeiten für die Banking-IT-Entscheider, dazu gehören etwa Web Chat, Videokonferenzen und Click-to-Call. Die Lünendonk-Berater haben als Grund für diese Tendenz ein verändertes Verhalten von Bankkunden ermittelt: Sie sind schneller bereit, ihre Bank zu wechseln, haben hohe Ansprüche an Servicequalität und nutzen neue Kommunikationskanäle.

Die wichtigsten Vertriebskanaele aus Bankensicht
Die wichtigsten Vertriebskanaele aus Bankensicht

Quelle: CIO, 30.11.2012

Trotz dieser Neuorientierung zeigt sich auch eine konservative Linie im Bankensektor: Die gute alte Filiale spielt immer noch eine wichtige Rolle. Dorthin fließt mit 27 Prozent der höchste Teil der IT-Budgets. Grund dafür mag ein Ergebnis der Lünendonk-Studie sein: Demnach ist aktuell das Gespräch in der Filiale mit 3,3 Punkten der wichtigste Kundenkanal, gefolgt von Online-Banking und mobile Apps (2,6 Punkte). Bis 2020 soll sich nach das Verhältnis drehen, so ebenfalls die Studie, dann wird erwartet, dass Online-Banking und mobile Apps einen Wert von 3,6 erreichen, während die Filiale zurück auf 3,1 Punkte fällt.

Erste Erfahrungen mit Augmented Reality bzw. Layar.com

Wir haben auf dem FI-Forum auf einen Prospektständer verzichtet. Nicht nur, weil wir Bäume sehr mögen, sondern auch, weil es nicht mehr zeitgemäß ist, wenn Messebesucher neben ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop auch noch Papier mit sich herumtragen. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Informationen rund um die FI-TS Finance Cloud digital zur Verfügung zu stellen.

Schritt 1: Layar-App aktivieren
Schritt 1: Layar-App aktivieren

Für die Vermittlung haben wir auf zwei Varianten gesetzt: Einmal haben wir ein Unternehmensportrait als iBook erstellt, in dem wir die FI-TS Finance Cloud und unseren Service CredNet mit Bild- und Filmmaterial vorstellen. An unserem Stand hatten wir ein paar iPads, und so konnten wir die Lösungen gut transportieren. Das war der konservativere Ansatz.

Der innovativere bestand darin,dass wir verschiedene Bereiche unseres Standes per Augmented Reality mit den Videos versehen hatten. Besucher, die die Layar-App auf ihrem Smartphone oder Tablet hatten oder eines unserer iPads in die Hand nahmen, konnten auf dem Stand scannen und dabei verschiedene Produktfilme finden. Wir hatten die Aktion in unserer Einladung, auf der Microseite zum FI-Forum sowie im Blog angekündigt.

Schritt 2: Bildmotiv mit der Layar-App scannen
Schritt 2: Bildmotiv mit der Layar-App scannen

Ich hätte gedacht, dass einige Besucher des FI-Forums auf unserem Stand scannen würden – einfach aus Spaß an der neuen Technologie. Da habe ich mich gründlich getäuscht. Als ich heute die Statistik ausgewertet habe, kam heraus, dass außer unseren iPads und Smartphones von FI-TS Mitarbeitern niemand einen Blick auf die Filme geworfen hatten.

Einerseits bin ich darüber enttäuscht, andererseits erleichtert. Ich hatte die Idee, dass Layar wie folgt funktionieren würde: den passenden Bildausschnitt scannen, drei Sekunden später den integrierten Inhalt sehen, ein Tap, das integrierte Video sehen.

Schritt 3: Tap auf das Videomotiv
Schritt 3: Tap auf das Videomotiv

Die Reihenfolge war auch tatsächlich so. Allerdings zogen sich die drei Sekunden auf eine halbe Minute und mehr. Und damit war die Live-Layar-Erfahrung gar nicht so sehr Spiel, Spaß und Spannung, sondern eher eine Geduldübung. Das schadet mir überhaupt nicht, aber beim nächsten Einsatz von Augmented Reality werden wir auf ein paar mehr Sachen achten:

  1. Nicht bloß Videos integrieren, sondern eine Animation schaffen, mit der unsere Gäste länger Spaß haben
  2. Auf den Bedienungskomfort bei schwankender Netzqualität achten
  3. Einen Anbieter auswählen, der unter “Support” eine Dienstleistung versteht, statt nur einem Button auf seiner Webseite

Ich freue mich schon auf den nächsten Versuch – vielleicht zum Management-Forum 2013?

Schritt 4: Das Video startet auf dem Tablet oder Smartphone

Pimp your Posts – neue Geschäftsmodelle auf Facebook

Wie macht man eine Milliarde Nutzer zu Geld? Facebook sucht permanent nach neuen Antworten. Denn seit dem Börsengang macht Facebook nicht mehr nur in Sachen Beliebtheit Schlagzeilen, sondern auch in Sachen Kursentwicklung. Dadurch entsteht ein gewisser Leistungsdruck für den Social Medial Giganten – und er scheint produktiv zu machen.

Pimp your Posts - neue Geschäftsmodelle auf Facebook
Pimp your Posts - neue Geschäftsmodelle auf Facebook

Beispielsweise habe ich inzwischen die Möglichkeit, einen Post prominenter zu positionieren und aufwendiger zu gestalten – wenn ich dafür zahle. “Money is King” statt “Content is King”? Der Service tendiert in diese Richtung, dürfte jedoch keine drastischen Auswirkungen haben. Auf Facebook setzt sich durch, was gefällt.

Mark Zuckerberg  hat noch weitere Pläne, um seine Einnahmen zu verbessern: „Ich möchte den Mythos zerstreuen, dass Facebook kein Geld im mobilen Geschäft verdienen kann“, wird der Facebook-Gründer heute im Focus zitiert. Für meinen Geschmack sind Smartphones zu jung, um als Stoff für Legenden zu dienen. Stattdessen haben wir praktische Erfahrungen gemacht. Eine davon lautet: Ein Service, der im Netz erfolgreich ist, lässt sich noch lange nicht auf das mobile Web übertragen.  Diese Erfahrung machte Facebook beispielsweise mit Werbeanzeigen: Was im Web am rechten Rand zu sehen war, verschwand auf der mobilen Variante – zum Leidwesen der Werbekunden. Einfaches Übertragen reichte offensichtlich nicht – Facebook musste umdenken. Nach den Facebook-Zahlen für Q3 ist das gelungen: Das Unternehmen hat 150 Mio USD, das sind 14 Prozent seines Umsatzes, mit Werbung auf Smartphones erzielt. Damit ist es der weltweit zweitgrößte Anbieter für mobile Werbung.

Aber wie sich diese Welt der mobilen Werbung entwickelt, steht noch nicht fest. Zunächst einmal hat sie großes Potenzial: Gerade in Deutschland halten sich noch viele Marketing-Experten mit Anzeigen in diesem Bereich zurück. Das wird sich ändern, da die Smartphone-Nutzung kontinuierlich steigt. Andererseits ist die aktuelle Facebook-Lösung für Smartphones alles andere als elegant: Statt – wie im Netz – dezent am rechten Rand zu stehen,  erscheint sie jetzt sehr prominent – und stört damit gewaltig. Wenn ich verzweifelt versuche, Anzeigen wegzudrücken, mag sich das zwar kurzfristig positiv auf die Clickrate auswirken, aber ob ich mir das langfristig gefallen lasse? Es würde mich wundern.

Happy Halloween: untot dank Social Media

Halloween und Allerheiligen stehen vor der Tür – ein adäquater Anlass, dachte ich mir, um mich auf den neuesten Stand zu bringen, was mit Toten in sozialen Netzen passiert.

Zu Beginn der Ära Web 2.0 war die Antwort einfach: Tod in der digitalen Welt gab es nicht. Die Social Media Portraits der Verstorbenen blieben unverändert bestehen – soweit hatte einfach noch niemand gedacht. Unfreiwillig wurde das Portrait zu einer digitalen Gedenkstätte, für alle, die vom Ableben desjenigen gehört hatten. Die anderen ließen den Verstorbenen unfreiwillig weiterleben, indem sie an seine Pinnwand schrieben, seine Bilder kommentierten oder ihm Nachrichten schickten. Das Ergebnis: ein untotes Profil. Einfach löschen konnte man es nicht - der Profilinhaber hatte seine Zugangsdatenmit ins Grab genommen.

Deadsocial: Technologie für Nachrichten aus dem Jenseits ins Diesseits.

Stayalive: Social Media als digitale Gedenkstätte
Stayalive: Social Media als digitale Gedenkstätte

2012 hat sich das Leben im Web 2.0 etabliert – z.B. sind 70 Prozent der deutschen Internet-Nutzer sind im Bereich Social Media aktiv. Das digitale Leben ist sogar so selbstverständlich geworden, dass auch das Sterben dazugehört.Wenn der Portalnutzer selber soweit denkt, erstellt er ein Web-Testament, das das virtuelle Nachleben regelt. Das schwedische Unternehmen Mywebwill.com hat seine Geschäftstätigkeit rund um diesen Service aufgebaut – heute war die Seite des Unternehmens jedoch nicht verfügbar. Möglicherweise hat das progressive Start-up nicht überlebt? Aus Marketingsicht hätte das Unternehmen dann dringend eine Gedenkseite auf Facebook für sich selbst anlegen sollen, das ist (war) doch die Kernkompetenz des Unternehmens.

Facebook hat auf das Problem Tod reagiert, in dem es die Möglichkeit bietet, ein Profil in einen Gedenkzustand zu versetzen. Das kann jeder machen, aber nicht bei jedem: der Tod muss nachgewiesen werden, etwa durch die Verlinkung auf die Todesanzeige. Facebook ist vorne mit dabei, wenn es um eine Regelung für den Umgang mit Profilen von Verstorbenen durch ein Social Media Portal für Lebendige geht. Aber immerhin wurde das Thema bei der Social Media Week Berlin, Ende September 2012 aufgegriffen. Leider ohne Dokumentation im Netz.

Tod und Sterben sind nicht grundsätzlich Tabuthemen für Social Media Portale – im Gegenteil: Verschiedene Anbieter bieten Seiten an, etwa Gedenkseiten.de, Stayalive.com oder Everta.lk, um an den Toten zu erinnern. Auf Gedenkseiten.de lassen sich z.B. Einträge in ein Kondolenzbuch machen, Kerzen für den Toten anzünden und Erinnerungen anschauen – etwa in Form von Bildern oder Videos. Ich stelle dabei mal wieder fest, dass ich nicht ganz auf der Höhe der Zeit bin, mir kommt das pietätlos vor. Digitale Öffentlichkeit kann ja schon zu Lebzeiten lästig sein, braucht man das nach dem Tod? Zudem hat man als Verstorbener (vermutlich) keine Chance, in irgendeiner Form einzugreifen.

Was mir dagegen viel besser gefällt, ist das Startup DeadSocial . Er gibt vorausdenkenden Lebenden Gelegenheit, das Versenden von Nachrichten aus dem Jenseits über Facebook, Twitter und Google+ etc. nach dem Todesfall zu planen. Damit kann ich heute und kostenlos meine Nachricht zu meinem 100. Geburtstag verfassen – jetzt müsste mir nur noch etwas Adäquates einfallen. Da bleibe ich doch lieber im Hier und Jetzt: Happy Halloween!

 

Near Field Communication (NFC) kommt.

Seit dem 9. Oktober geht wieder ein bisschen mehr mit NFC: Das Unternehmen Telefónica Deutschland bietet seinen Kunden jetzt über mpass auch die Bezahlung über das Mobiltelefon an. Kann mein Portemonnaie jetzt zu Hause bleiben, wenn ich mein Handy einstecke? Ganz soweit sind wir noch nicht. Im Moment gibt es eine übersichtliche Liste von First Movern, die für die Bezahlung mit NFC ausgestattet sind:  Dazu gehören die Tankstellen der Kette Star, Filialen von Vapiano, Douglas, Thalia, real, Edeka und Aral-Tankstellen und ein paar mehr. Die O2-Shops sollen bis zum Jahresende folgen – das wird aber auch Zeit – ebenso die Conrad-Electronic-Märkte im Raum München.

Viele Geschäfte sind das noch nicht, aber für einen live-Test reicht es. Leider verfügt mein Smartphone über kein NFC-Chip. Das macht nichts, denn wenn ich mich über mpassanmelde, bekomme ich einen NFC-Chip

Die Anmeldung zum mpass
Die Anmeldung zum mpass

zugeschickt, den ich dann auf mein Telefon kleben kann. Also, auf zum Versuch! Die Anmeldung ist einfach und vom Mobile Provider unabhängig: man gibt seine Nummer ein und bekommt eine TAN per SMS zugeschickt. Damit ist der erste Schritt abgeschlossen. Anschließend kann man sich entscheiden, ob man ein mpass-Konto bei O2 oder Vodafone eröffnen möchte.  Jetzt warte ich auf meinen Freischaltcode, der mir durch eine Mini-Überweisung auf mein Konto im Verwendungszweck mitgeteilt wird. Wie lange das wohl dauert? Egal, wenn es soweit ist, werde ich testen und berichten.

Wenn man dann über ein mpass-Konto und ein Smartphone mit NFC Chip verfügt und auf einen Händler trifft, der diese Bezahlungsmethode anbietet, kann man bis zu einem Betrag von 25,00 Euro sehr schnell und entspannt einkaufen:  Einfach den Chip  mit einem Abstand von höchstens vier Zentimetern an den Kassenterminal halten – fertig. Natürlich kann man auch höhere Summen mit dem mpass bezahlen, sonst wäre der Mehrwert sehr überschaubar: Dann bleibt die Prozedur gleich, zusätzlich wird jedoch die Eingabe einer PIN verlangt.  Auch im Online-Handel kann man mit mpass bezahlen: Einfach am Ende des Online-Einkaufs Handynummer und mpass-PIN eingeben. Dann bekommt man eine mTAN per SMS zugeschickt. Und mit Eingabe dieser mTAN wird der Bezahlvorgang abgeschlossen. Jetzt würde ich nur gern wissen, bei wie vielen Onlineshops der mpass schon heute im Einsatz ist…

Die Bezahlung mit mpass wird entweder per Lastschrift vom Girokonto abgebucht,  oder von einem mpass-Konto, das man speziell einrichten und per Überweisung im Vorfeld auffüllen muss. Abgerundet wird das mpass-System durch eine mpass-App, mit der man seine Ausgaben immer im Blick hat und per Location Based Services sehen kann, welche Händler in der Nähe das Bezahlungssystem akzeptieren.

Ich finde, mpass klingt richtig gut, aber obwohl das System schon seit 2008 existiert, ist es immer noch Zukunftsmusik.