Letzte Woche war großer Stromausfall in Nürnberg. Das betraf auch unser Rechenzentrum. Kein Strom mehr – und trotzdem fiel kein Rechner aus. Nun schwärmen die Kollegen immer von ihrer Redundanz im Rechenzentrum. Als ich von dem Stromausfall hörte, kam mir der Gedanke: “Nun dürfen sie ihre redundante Stromversorgung laufen lassen”. Aber was passiert da genau?
Als Marketingler kann ich das technisch nicht perfekt schildern. Ganz einfach gesagt: Wenn der Strom vom Stromversorger ausfällt, müssen eigene Anlagen dafür einspringen. Man nennt sie USV (unterbrechnungsfreie Stromversorgung). Zwischen dem Zeitpunkt des Stromausfalles und dem Anspringen der Generatoren und Liefern von Ersatzstrom vergehen zusätzlich ein paar Sekunden bis zu einer halben Minute. Die Großrechneranlagen dürfen aber keine Sekunde ohne Strom sein.
Kinetischer Energiespeicher
Dafür gibt es extra nochmal, als Teil der USV, einen kinetischen Energiespeicher. Der 6,5 Tonnen schwere Block beschleunigt auf eine Drehzahl von 3500 U/min. Er läuft im Vakuum auf magnetischen Lagern, schwebt also frei im Raum. Mit seiner Energie können bis zu 90 Sekunden Stromausfall überbrückt werden. Das reicht, bis die USV-Generatoren ihren Strom liefern. Hochmodern, habe ich mir sagen lassen.

Der kinetische Energiespeicher meiner Kollegen in Nürnberg / Bild: W.-M. Weber
Ist das nicht ein wenig übertrieben? Nein, ists nicht. Wenn man, wie bei FI-TS, u.a. für Banken das Rechenzentrum betreibt, kann es nicht sein, dass für Sekunden die Systeme ausfallen und genau da ein paar hundert oder tausend Transaktionen nicht durchgeführt werden. Dafür müssen Banken und ihre Dienstleister sorgen. Das gehört zum IT-Grundschutz.
Schließlich lieferte der Energieversorger nach Stunden wieder regulär Strom. Die komplexen Anlagen konnten ihre Leistungsfähigkeit zeigen und meine Kollegen ein Gläschen alkoholfreies? Bier geniessen.





